
Die Märtyrer der Gesellschaft des göttlichen Heilandes – Teil 2
Bild 1: Priestergrab der Salvatorianer in Mistelbach (Pfarrkirche St. Martin)
Nachdem wir im ersten Teil dieses kurzen salvatorianischen Martyrologiums über das Leben und Sterben von Br. Johannes Savelsberg (1913–1939), P. Reinhold Unterberg (1893–1940) und P. Titus Helde (1905–1945) in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) erfahren haben1, wenden wir uns im Folgenden zwei Mitbrüdern zu, die im Kommunismus ihren Glauben bis zum Tod bezeugten.
Text: Martin Kolozs
Vorab soll allerdings noch an P. Methodius Mičola erinnert werden, auf dessen Glaubenszeugnis währen der NS-Zeit uns Johan Moris, der Archivar der belgischen Pro-Provinz, hinwies: „Dieser Mann wird meistens vergessen, weil er der tschechoslowakischen Provinz angehörte, d. h. einer Provinz, die leider in der SDS-Geschichte kaum beachtet wird.“2
P. Methodius (Jaroslav) Mičola wurde in ärmlichen Verhältnissen, am 14. Januar 1911, in Hradisko bei Rožnov (ehem. Tschechoslowakei) geboren und trat 1922 in das Kolleg Valasske Mezirici ein, welches damals gerade in ein SDS-Juvenat umgewandelt wurde und sowohl Sitz des Provinzialates als auch Noviziatshaus war.3 1929 legte er im Kloster Hamberg seine Gelübde ab, bevor er an der Gregoriana in Rom studierte und dort, am 15. Juli 1934, zum Priester geweiht wurde; seine Primiz feierte er eine Woche später in Zubří (ČSR). Ab 1936 war er endgültig zurück in seiner Heimat, wo er in Prostějov als Seelsorger des hiesigen Salvatorianer-Kollegs und als Pfarrvikar der Kirche St. Peter wirkte.4 Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland (1939–1945) positionierte sich P. Methodius klar anti-nationalsozialistisch und betätigte sich im Widerstand, indem er einerseits mutig gegen die feindlichen Machthaber predigte und andererseits Familien unterstützte, deren Angehörige vom Regime verhaftet und inhaftiert wurden. So kam er selbst ins Fadenkreuz der Nationalsozialisten und wurde – nach Verhören und Folter – am 3. Juli 1942 im Gestapogefängnis Kounicovy Koleje in Brno ermordet.5
Andachtsbildchen
Die Zeit des Kommunismus
Vielen wird das Zitat „Religion ist das Opium des Volkes“ von Karl Marx, dem geistigen Vater des Kommunismus, bekannt sein; darin äußert sich in wenigen Worten die ganze Kirchen- bzw. Religionsfeindlichkeit des sozialistischen Denkens, dessen Maxime u. a. die Nichtexistenz Gottes war, und das als politisches System in verschiedenen Ländern aktiv und gewaltsam gegen Priester und Ordensleute vorging, welche nicht dem Allmachtanspruch seiner Proponenten zustimmten.
P. Paulus (Antonius) Weinschrott galt schon als Schüler des salvatorianischen Knabenkonvikts in Timişoara (Rumänien) und später im Noviziat als außergewöhnlich:
„Sein Beruf ist außer jedem Zweifel. Seine Frömmigkeit ist heiligmäßig.“6
Nach seiner Priesterweihe am 2. Juni 1946 im Dom von zu Timişoara setzte er sich mit großem Engagement und der ihm eigenen Opferbereitschaft als Kaplan in den Stadtbezirken Elisabetin (1946–1950 u. 1953–1958) und Mehala (1950–1953) ein, wo ihm vor allem die Kinder- und Jugendseelsorge ein Anliegen war. Aber auch die Mission, das Predigen und das Verfassen von Artikeln, worin er sich u. a. mit christlicher Lebensführung und dem Erhalt des katholischen Glaubens auseinandersetzte, begründeten seinen herausragenden Ruf als Seelsorger:
„Ohne Zweifel ist er einer der besten unserer Patres. Überaus eifrig und fromm, wurde er von den Gläubigen sehr geschätzt und war beliebt als Prediger und Beichtvater. Er predigte auf Missionen und Exerzitien, in Deutsch, Ungarisch und Rumänisch.“7
Ikonisches Foto, P. Paulus Weinschrott beim Rosenkranzbinden
Dieser Einsatz sowie dessen Erfolg bei der Bevölkerung blieben im rumänischen Staatssicherheitsdienst nicht unbemerkt. So wurde P. Paulus ab 1955 von der Securitate unter Beobachtung gestellt und vermeintlich belastendes Material gegen ihn gesammelt, bevor er am 13. Januar 1958 verhaftet und in den Tagen danach verhört und gefoltert wurde. Im darauffolgenden (Schein-)Prozess wurde P. Paulus wegen „Machenschaften gegen die Gesellschaftsordnung“ und „Verbreitung verbotener Publikationen“ zu insgesamt 16 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Gefängnis von Gherla (Siebenbürgen) verbüßen sollte, wo er am 2. Juni 1960, völlig entkräftet durch Krankheit und schlechte Behandlung starb.8 Seine sterblichen Überreste ruhen seit 1969 in der Gruft der Salvatorianer auf dem Friedhof von Elisabetin-Timişoara.
Pfr. Heinrich Kroder stellt in dieser Reihe eine Ausnahme dar, weil es sich bei ihm um einen ehemaligen Salvatorianer handelt. Nichtsdestotrotz ist sein Glaubenszeugnis bewundernswert und sollte Platz in der Erinnerung der Gesellschaft des göttlichen Heilandes haben. – Mit achtzehn Jahren suchte Heinrich Kroder, der aus Unterfranken stammte, um die Aufnahme bei den Salvatorianern an, und legte nach zweijährigem Noviziat im Jahre 1897 sein Ordensgelübde ab. Er studierte an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er am 24. Mai 1902 in der Lateranbasilika zum Priester geweiht wurde. Bereits im Jahr darauf begannen die Schwierigkeiten zwischen dem Jungpriester und der Gesellschaft des göttlichen Heilandes, die sich über längere Zeit hinwegzogen und 1909 in der Exklaustration Kroders bzw. dessen Wunsch auf Entlassung mündeten.9
Daraufhin wendete er sich an die Erzdiözese Zagreb (Kroatien), die ihn noch im selben Jahr aufnahm und bis zu seinem Tod beschäftigte; aus Zeitzeugenberichten heißt es, er wäre ein guter und sehr geschätzter Seelsorger gewesen. Für die antiklerikalen Partisanen, die unter Tito kämpften, wäre das schon Grund genug gewesen, um gegen Pfarrer Kroder vorzugehen, aber zusätzlich war er Deutscher und stand somit unter dem falschen Verdacht der Kollaboration mit den Nationalsozialisten, die das Kroatien seit 1941 besetzten. So wurde er von den kommunistischen Guerillakämpfern verschleppt, gefoltert und 1945 ermordet. Über sein Wirken und Martyrium liegt u. a. folgende Aussage vor:
„Er regte seine Gläubigen an, sich für die kroatische Sache einzusetzen. Das konnten die Kommunisten nicht ertragen, so daß sie ihn verhafteten und ins Gefängnis nach Čakovec brachten. Dort litt er ungefähr fünf Monate. Danach führten sie ihn zur Drau. […] Er ging sehr gefaßt zur Hinrichtung. Über seinen Leichnam ist nichts bekannt.“10
1 Vgl. die Salvatorianer, 1.2024, S. 16 f.
2 E-Mail an den Verfasser, 21.5.2024; vgl. Kiebele et al., S. 193–199
3 Vgl. Ebd., S. 195
4 Vgl. Ebd., S. 198
5 Vgl. (1) Nekrologeintrag, asa-04.1.4.2; (2) Jubiläumsbildchen, asa-04.3.1; (3) Wikipedia (tschechisch), Eintrag: Metoděj Mičola, [Juni 2024]
6 Kolozs et al., S. 328 (Zitat von P. Johannes Blum)
7 Schweizer, S. 132 (Zitat von P. Johannes Blum)
8 Kolozs et al., S. 332; vgl. Moll, S. 1200
9 Vgl. Catalogus Generalis SDS vom 15.5.2023
10 Moll, S. 1230 (Zitat von Rosalija Detoni)
Was ist ein Märtyrer?
Als Märtyrer oder Blutzeuge werden Menschen anerkannt und bezeichnet, deren Leidensweg drei theologisch-kanonische Kriterien erfüllt: die Tatsache des gewaltsamen Todes (= Martyrium Materialiter), das Motiv des Glaubens- und Kirchenhasses bei den Verfolgern (= Martyrium Formaliter Ex Parte Tyranni), die bewusste innere Annahme des Willens Gottes trotz Lebensbedrohung (= Martyrium Formaliter Ex Parte Victimae).
Bildnachweis
- Bild 1: Wien I, St. Michael, Archiv der Österreichischen Pro-Provinz der Salvatorianer (asa), Martin Kolozs
- Bild 2: Provinzarchiv der Salvatorianer, München, APG 0300-VI (1934–1936)
- Bild 3: Heiland der Welt, 1998/2, S. 35
- Bild 4: Privatarchiv Dr. Helmut Moll, Köln; vgl. Moll, S. 1228
Literatur
- Kiebele SDS, Kiełbasa SDS, Münck SDS, van Meijl SDS (Hrsg.), Die Salvatorianer in Geschichte und Gegenwart 1881–1981, Rom 1981; S. 193–199
- Kolozs, Passini, van Meijl SDS (Hrsg.), Erweckte Begeisterung. 100 Jahre österreichische Provinz der Salvatorianer (1923 – 2023), Wagner Verlag, Linz 2023; S. 255–261; S. 327–335
- Moll, Helmut (Hrsg.), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Bd. II, Paderborn 2015 (6., erweiterte und neu strukturierte Auflage); S. 1199–1201 (Brauchle, Josef); S. 1228–1230 (Baković, Anto)
- [Schweizer, P. Bonaventura SDS], Annales Societatis Divini Salvatoris, Vol. VII, Nr. 3, Rom, 2.2.1961
Dieser Artikel ist veröffentlicht in: die Salvatorianer, 2-2024, S. 17–19