Mittwoch 12. Dezember 2018
Salvatorianer in Österreich und Rumänien
  • Das ist das ewige Leben:
    Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Interview mit Generaloberen P. Milton Zonta

 

Gottes Komplize

 

Am 24. August wurde P. Milton Zonta als Generaloberer der Salvatorianer im XIX. Generalkapitel wiedergewählt. Im Interview mit „die Salvatorianer“ sprach er darüber, was die nächsten sechs Jahre bringen werden.

 

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Und gleich die erste Frage: Welchen Eindruck haben Sie vom Verlauf des Generalkapitels?
P. Milton: Ich habe einen sehr positiven Eindruck. Wir sind alle äußerst motiviert, die nächsten Schritte für die Zukunft zu setzen.

 

Was sehen Sie als die wichtigste Frage an?
Was können wir als Salvatorianer tun, um der Kirche bei ihrer Mission zu helfen – das ist die wichtigste Frage. P. Jordan hat die Gesellschaft zum Göttlichen Heiland gegründet, um der Kirche bei ihrer Mission zu helfen. Er war kein Beamter oder kein Büroangestellter, sondern ein Mann der Mission mit Leib und Seele. Das Motto dieses Kapitels ist: „Geht und entflammt
alle!“, und diesen Satz finden wir in den Texten unseres Gründers. Wir wollen seinem Charisma treu bleiben. Oder anders ausgedrückt: Die wichtigste Frage hat mit dem Motto dieses Kapitels zu tun, und das heißt für uns, wir müssen die Mission für die heutige Zeit neu überdenken. Wir müssen uns fragen, was sich Gott in der heutigen Zeit von den Salvatorianern wünscht. Das ist die Kernfrage: Wie können wir der Kirche bei ihrer Mission helfen – in Europa, in Amerika, in Afrika.

 

 Manu Nitsch

P. Milton Zonta: „P. Jordan war kein Beamter oder kein Büroangestellter, sondern ein Mann der Mission mit Leib und Seele.“ (c) Manu Nitsch

 

Ist das nicht so, dass man den Missionsbegriff unterschiedlich definieren muss? Dass jeder Kontinent eine eigene Definition des Begriffs „Mission“ braucht?
Heutzutage haben wir ein neues Konzept von Mission; es ist die „Missio Dei“, die „Mission Gottes“. Und das bedeutet, wir haben keine „Mission“, sondern wir haben die „Mission Gottes“. Gott hat eine Mission und wir nehmen daran teil. Wir müssen herausfinden, welchen Wunsch Gott hat. Das kann sehr unterschiedlich sein und für jede Kultur und für jeden Kontinent differenzieren. Insofern haben Sie natürlich recht: Mission bedeutet auf jedem Kontinent etwas anderes. Doch wir bringen niemanden zu Gott „zurück“ oder wir „konvertieren“ niemanden. Das müssen wir nicht tun, weil Gott schon da ist. Er ist überall auf allen Kontinenten. Was wir tun müssen, ist dort hinzugehen, um uns mit Gott zu treffen. Wir müssen zulassen, dass er sich manifestiert, dass er sich präsent macht. Wir müssen eigentlich zu Gottes Komplizen werden. Wir haben keine Mission, sondern Gott hat uns, um seine Mission durchzuführen.

 

Wie kann ich mir das vorstellen? Das klingt für mich im Moment noch sehr theoretisch.

Diese Theorie hat aber schon alles geändert. Früher hatten wir in der Kirche einen Eurozentrismus. Von Europa gingen die Missionare hinaus in die Welt. Heute ist es nicht mehr so. Was wir heute machen: Wo wir auch sind, egal auf welchem Kontinent, in welcher Stadt, in welcher Umgebung, wir hören zu, was die Leute brauchen, welche Bedürfnisse wir erfüllen müssen, damit die Menschen dort Gott erfahren. Deswegen brauchen wir keine Modelle mehr. Es gibt keine vorgefertigten Antworten, sondern man muss hingehen, hinhören, die Bedürfnisse entdecken und eine Erfahrung mit Gott möglich machen. Papst Franziskus spricht von einer Kirche, die aus der Komfortzone heraus- und dorthin geht, wo die Menschen leiden. Wir dürfen nicht mehr denken, dass wir die Antwort für alles und auf alles haben. Wir müssen hinausgehen und die Menschen treffen.

 

Können Sie Beispiele nennen?

Zum Beispiel in Venezuela. Hier sind tausende Menschen aufgrund der politischen Lage, aufgrund von Arbeitslosigkeit und Hunger auf der Flucht. Oder in Europa, wo sich die Migranten in einer oft ausweglosen Situation wiederfinden. Gleichzeitig haben in Europa immer mehr Menschen das Gefühl, dass ihnen die Kirche keine Heimat mehr sein kann. Wir müssen überlegen, wie wir in der jeweiligen Situation den Menschen helfen können, dass sie Gott sehen und erfahren. Das sind ganz verschiedene Situationen, auf die wir individuell eingehen müssen. Das bedeutet, sehr nahe bei den Menschen zu sein, und das ist natürlich eine immense Aufgabe.

 

Bedeutet das, die Salvatorianer müssen sich mehr ins gesellschaftliche Geschehen involvieren?

Mir gefallen Begriffe wie „politisch“ oder „sozial“ nicht, ich spreche lieber vom menschlichen Leiden. Es kann auch ein spirituelles Leiden sein; ein Mensch findet zum Beispiel keinen Sinn in seinem Leben. Es kann durchaus sein, dass jemand einen Job, ein Auto und ein Haus hat und trotzdem leidet. Die Menschen bekommen Depressionen, werden drogensüchtig oder begehen sogar Suizid. Das findet sogar bei jungen Menschen statt. Oder denken Sie an die Einsamkeit von älteren Menschen, die in irgendeinem Heim verlassen werden – auch sie leiden. Die Definition, die ich von Gott habe, lautet: Gott ist Liebe. Und mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Das ist letztendlich unsere Mission: Wir müssen dazu beitragen zu zeigen, dass Gott Liebe für alle ist. Kultur und Religion sind unwichtig. Wir wollen den Menschen helfen, ein menschenwürdiges Leben zu leben, ohne Leiden und in Liebe. Und der Einzige, der uns wirklich helfen und wirklich retten kann, ist Jesus Christus. Denn niemand war menschlicher als er. Er war so menschlich, dass es uns schwerfällt, ihm zu folgen.

 

Was werden die nächsten konkreten Schritte sein?

Wir haben eine große interne Herausforderung, und die heißt, wir müssen uns besser auf die Mission vorbereiten. Und deswegen müssen wir die Ausbildung verbessern, die wir unserem Nachwuchs anbieten. Im Moment befinden sich in unserer Gemeinschaft ungefähr 500 junge Männer in Ausbildung. Diese Herausforderung hat vielerlei Gründe. Einer davon ist, dass viele Jugendliche gar nicht mehr aus einer christlichen Tradition kommen, dass ihnen sozusagen der christliche Background fehlt. Dazu kommt, dass es natürlich kulturelle Unterschiede gibt, die wir überwinden müssen. Wir leben in einer globalisierten Welt; das sieht man nicht nur an unserer Gesellschaft, sondern auch unsere Gemeinden sind mehr und mehr gemischt. Wir müssen und wir wollen diese Pluralität leben. Salvatorianer kommen nicht aus einem Land oder aus einer Kultur, sondern sie sind Apostel in dieser Welt. Die Herausforderung für jeden Einzelnen besteht darin, sich auf die andere Kultur einzulassen und zu erkennen, dass keine Kultur besser ist und man voneinander lernen kann.

Die Salvatorianer sind keine große Kongregation; wir sind etwa 1.200 Mitbrüder, die auf der ganzen Welt verteilt sind und deren gemeinsames Ziel ist, der Kirche und den Menschen zu dienen. Und trotz unserer kleinen Zahl ist es unser Bestreben, unsere Arbeit so gut wie möglich zu machen. Deshalb haben wir jetzt in Rom ein Ausbildungshaus gegründet für junge Menschen, die Missionare in Europa werden. Wir müssen vermitteln können, dass jeder Mensch, der Jesus begegnet, eine komplette Veränderung in seinem Leben spürt. Der göttliche Heiland ist der Einzige, der unserem Leben einen Sinn und uns diese Freude geben kann, die wir ständig suchen; und der uns alle menschlicher werden lässt.

 

Text: Robert Sonnleitner

 

„die Salvatorianer“ 3/18 zum Downloaden

„An erster Stelle, wie wir unser Apostolat ausführen sollen, steht ‚exemplis‘, durch das Beispiel, weil die folgenden Punkte nichts nützen, wenn der erste nicht vorausgeht.


 

 

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