Donnerstag 14. Dezember 2017
Salvatorianer in Österreich und Rumänien
  • Das ist das ewige Leben:
    Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Ausgabe Nr. 2 von "die Salvatorianer" beschäftigt sich mit der Zukunft des Ordens

Die Zukunft der Salvatorianer

 

Aktuell ist die 2. Ausgabe der neuen Zeitschrift "die Salvatorianer" erschienen. Die Coverstory beschäftigt sich mit der "Zukunft der Salvatorianer". In Österreich wird die Zahl der Ordensleute immer kleiner. Fast scheint es, dass die Blütezeit der Orden vorbei ist. Die Gretchenfrage lautet: Haben die Salvatorianer eine Zukunft? Ja, zeigt sich Generalmissionssekretär P. Agustin Van Baelen im Interview überzeugt.

 

Das heurige Provinzkapitel diskutiert auch über die Zukunft der Salvatorianer. Provokant gefragt: Haben die Salvatorianer eine Zukunft?

Tatsächlich wächst unsere Gemeinschaft. Im Jahre 1991 waren die Salvatorianer in etwa 20 Ländern vertreten. Heute sind es 40 Länder. Die Frage ist eher: Wie geht es hier in Westeuropa weiter? Jetzt sind wir noch etwa 170 Ordensmänner. Aber die Statistik sagt mir, dass in etwa zehn oder 15 Jahren hier nur noch 70 bis 80 Mitbrüder leben. Die große Mehrheit wird über 80 Jahre alt sein, und es wird nur noch eine ganz kleine Gruppe unter 60 geben. Die Gemeinschaft, so wie sie in der Gegenwart existiert, wird es dann nicht mehr geben. Wenn wir wollen, dass es in 15 Jahren in Westeuropa noch eine Salvatorianische Gemeinschaft gibt, dann müssen wir jetzt anfangen zu planen. Sonst wird es zu spät sein.

 

Manu Nitsch


Gibt es schon konkrete Pläne?

Ja, es ist ein Plan vom Generalat ausformuliert worden. Wir möchten in jedem Land, wo wir derzeit in Westeuropa vertreten sind – das sind acht Länder – eine aktive Gemeinschaft haben. Und dazu eine Gemeinschaft, die aus älteren Mitbrüdern besteht. Wie stelle ich mir die aktiven Gemeinschaften vor? Sie sollen mindestens aus drei Ordensmännern bestehen. Drei Salvatorianer, die in
einer internationalen Gemeinschaft zusammenleben. In Wien funktioniert das schon sehr gut; hier leben und arbeiten Ordensmänner aus Tansania, Belgien und Österreich zusammen; eine internationale Gemeinschaft, wo mehrere Sprachen gesprochen werden und wo man
 fähig ist, auch mit mehreren Kulturen zu leben. Das ist nicht leicht, aber es funktioniert. Aber wenn wir internationale Gemeinschaften wollen, dann müssen wir auch international agieren. Dann müssen wir in einer Großstadt arbeiten, wo es Internationalität gibt. Das kann nicht in irgendeinem verlorenen Dorf am Land sein, sondern in Brüssel, in Genf, in Amsterdam oder in Wien. Dort gibt es die Möglichkeiten, internationale Kontakte anzuknüpfen. Diese aktiven Gemeinschaften müssen wirklich missionarisch sein; sie müssen ohne Angst auf die Menschen zugehen. Die älteren Mitbrüder könnten dann die aktive Gemeinschaft unterstützen. So könnten wir als Brüder miteinander leben. Das heißt nicht, dass wir plötzlich fromme Mönche sein sollen, aber Mitbrüder. Ich glaube, dass das auch in dieser heutigen Gesellschaft ein großes Zeugnis sein kann. Das anzunehmen ist nicht leicht, aber wenn wir das zu unserer Sendung machen, kann es wirklich sehr erfüllend sein.

 

Das erfordert aber auch eine intensive Vorbereitung für die zukünftigen Salvatorianer.

Beim Generalkapitel 2012 wurde ganz deutlich gesagt, dass wir uns intensiver mit Ausbildung beschäftigten müssen. Wir haben in der Vergangenheit Fehler begangen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Mein Ausbildner arbeitete hauptsächlich als Kaplan in einem psychiatrischen Krankenhaus und war nebenbei Rektor. Wenn man also Kaplan ist und Rektor und Vizeprovinzial und verantwortlich für Finanzen zeichnet und noch dazu 40 oder 50 Studenten betreut und und und … Ja, was erwarten wir von dieser Ausbildungsart? Das muss schiefgehen. Wie soll man da salvatorianische Identität entwickeln? Die bekommt man nicht durch einen Einkehrtag oder durch eine salvatorianische Woche. Wenn wir nicht wirklich mit optimaler Ausbildung beschäftigt sind, dann wird es auch in der Zukunft keine salvatorianische Identität geben. Wir brauchen gut ausgebildete Ausbildner. Jetzt meine ich nicht, dass dafür ein Doktortitel benötigt wird. Es geht vielmehr um Begleitung; wissen, was sich in der Welt der jungen Menschen abspielt. Es geht darum, eine Gemeinschaft zusammenzuhalten. Es geht um das Psychologische, das Menschliche, das Spirituelle. Die heutigen Kriterien sind ganz andere als die, die wir vor 40 Jahren hatten.

 

Wie konkret sind diese Pläne?

Gerade wird ein Vorschlag für ein Programm für eine Schule für salvatorianische Ausbildner zusammengestellt. Es soll beim nächsten Generalkapitel präsentiert und abgesegnet werden. Aktuell haben wir rund 500 Postulanten, Novizen und Scholastiker in Ausbildung. Das ist nicht wenig für eine Gemeinschaft, die aus etwa 1150 Mitgliedern besteht. Mir macht es Spaß, wenn ich nach Tansania komme, und ich sehe dort in unserem Ausbildungshaus ungefähr 35 enthusiastische junge Leute. Oder auf den Philippinen, wo rund 80 junge Leute sich darauf vorbereiten, Salvatorianer zu werden. Es gibt viel Leben in unserer Gesellschaft, und ich glaube, es ist wirklich ein Geschenk.

 

Robert Sonnleitner

 

Internationale Gemeinschaft – bedeutet das auch internationale Ausbildung?

Wir werden auch die Ausbildung internationalisieren. Pro Kontinent wird es ein Ausbildungshaus geben. Wenn man zum Beispiel in Südamerika und Zentralamerika nur ein Noviziat hat, braucht man auch nur einen Novizenmeister. Das gilt auch für die anderen Kontinente. So sparen wir Human Ressources. Wenn man einen Experten einlädt, braucht er nur zu einem Noviziat zu gehen und nicht zu drei oder vier verschiedenen. So sparen wir auch finanziell. Wenn unsere Bewerber ins Noviziat gehen zum Beispiel in Kolumbien, müssen sie Spanisch lernen – auch die, die aus Brasilien kommen und Portugiesisch sprechen. In Afrika ist das Ausbildungszentrum für alle im Kongo. Also alle unsere afrikanischen Mitbrüder, aus Kamerun, aus Kongo, aus Mozambique, aus Tansania, Kenia werden Französisch und Englisch sprechen. Nicht leicht. Aber sie schaffen es. Der Vorteil ist: Wenn wir gemeinsame Ausbildungshäuser haben, werden unsere Mitbrüder einander kennenlernen. Das kann dann in 25 Jahren sehr wichtig sein, wenn sie zum Beispiel zu einem Generalkapitel zusammenkommen. Die Wahl eines Generalsuperiors wird keine Lotterie mehr sein, denn man kennt einander schon aus der Vergangenheit. Und: Sie werden, wenn sie aus ihrem Land gehen müssen, andere Kulturen kennenlernen und letztendlich ihre eigene Kultur relativieren können.

 

Und aus diesen Ressourcen werden dann die Mitbrüder für die europäischen Gemeinschaften genommen?

Ja, auch hier in Westeuropa werden wir mit einem internationalen Ausbildungshaus beginnen. Und da sprechen wir bereits von Mitbrüdern; also alle haben das Noviziat absolviert. Sie werden in Rom in unserem Haus wohnen, das vom Generalat der Gesellschaft zur Verfügung gestellt wird. Alle zwei Jahre wird ein Mitbruder aus dem Kongo, ein Mitbruder aus Tansania, ein Mitbruder aus Indien und ein Mitbruder aus dem ostasiatischen Raum, das heißt Philippinen, Vietnam, China oder Indonesien, nach Rom gehen. Dazu hat der Generalsuperior auch dem Provinzial der polnischen Provinz geschrieben, ob er uns auch einen Scholastiker schicken kann. Es sind also wenigstens fünf Mitbrüder, die hier ihre Ausbildung beginnen. Wenn sie eintreten, sind sie mindestens 20 Jahre alt. Das erste Jahr studieren sie nur Englisch, wenn sie das bestehen, dann gibt es vier oder fünf Jahre Philosophie und Theologie. Anschließend müssen sie zumindest neun Jahre in der Mission in Europa tätig sein und mit unseren jüngeren Mitbrüdern in Europa zusammenarbeiten. Heutzutage kann man einem jungen Mann mit dreißig Jahren nicht sagen, du sollst für dein ganzes Leben in einer Region arbeiten. Deshalb schlagen wir vor, dass es drei Mal drei Jahre sind. Wenn der Mitbruder anschließend noch bleiben möchte, ist das selbstverständlich möglich.


Wie konkret sind diese Pläne?

Das Ausbildungshaus hat schon einen Namen, Mater Salvatoris. Am 8. Dezember wird P. Milton Zonta das Haus einsegnen. Die Ausbildung klingt jetzt nach sehr viel Theorie. Wie schaut es mit der Praxis aus? Das darf nicht nur auf theoretischer Ebene ablaufen. Deshalb gibt es in dieser Ausbildung auch Praktiker während des Studiums. Z. B.: Während meines Philosophiestudiums habe ich ein Praktikum in einem Altenheim gemacht. Und ich wurde für zwei Jahre in ein Internat von uns in Spanien geschickt, um dort ein Praktikum zu machen und um dort mit den Schülern zu arbeiten als Präfekt und als Lehrer. Das muss in der Ausbildung eingebaut werden. Wenn es nur akademisch und theoretisch ist,  dann bereiten wir unsere Leute nicht optimal vor. Aber das ist genau das, was in den letzten Jahren vielleicht etwas gefehlt hat. Wir müssen auch in der Praxis tätig sein.

 

Internationalisierung –  gleichzeitig gibt es den Trend in der Gesellschaft, immer mehr in Richtung Nationalität zu gehen. Ist das kein Widerspruch?

Die Internationalisierung ist sogar noch eine Kategorie zu niedrig. Denn wir sollten nicht nur internationalisieren, sondern wir sollten vermenschlichen. Der Mensch steht über alle Nationen. Unsere Kultur ist die Kultur des Evangeliums. Dem ganzen Menschen gilt unsere Sorge. Nicht dem Afrikaner oder dem Europäer oder dem Österreicher. Ja, es gibt nationalistische Tendenzen in der Gesellschaft, aber das heißt nicht, dass sie richtig sind. Und da müssen wir eine Antwort formulieren – als Menschen.

 

"die Salvatorianer" 02/17 als PDF zum Download

 

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