
„Die Lage bleibt gefährlich“
Sr. Dominika Zelent lebt und arbeitet im Dorf Qubeibeh, rund zwölf Kilometer von Jerusalem entfernt. Dort leitet die Salvatorianerin aus Wien das Pflegeheim Beit Emmaus, in dem palästinensische Frauen christlichen und muslimischen Glaubens betreut werden, die aufgrund ihres Alters oder einer Behinderung auf Unterstützung angewiesen sind.
„Die Situation hier ist schwierig und unberechenbar“, berichtet die Ordensfrau. Zwar sei Emmaus Qubeibeh kein direktes Ziel iranischer Angriffe, doch auch dort sei die Bedrohung deutlich spürbar. „Auch wenn Emmaus Qubeibeh nicht direkt Ziel iranischer Angriffe ist, bleibt die Lage gefährlich“, schreibt sie. Immer wieder gebe es Bombenalarm. „Wir hören das Heulen der Sirenen und das Dröhnen der Detonationen, sodass manchmal das ganze Haus wackelt.“
Besonders belastend sei, dass es in der Einrichtung keine Schutzräume gibt. „Wir können nur hoffen und beten, dass von den Raketen, die teilweise über uns hinwegfliegen und von der israelischen Luftabwehr abgefangen werden, keine Trümmer auf unser Haus oder Grundstück fallen“, so die Salvatorianerin.
Hinzu komme eine erhöhte Gefahr von Terroranschlägen. Sie richteten sich zwar vor allem gegen israelische Siedler, doch gleichzeitig wachse dadurch die Präsenz der Armee und damit auch das Risiko von Gewaltübergriffen. Für die Menschen bedeute das eine ständige physische und psychische Belastung, denn manchmal reiche ein einziger Moment, um zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.
Trotz allem gehe der Alltag weiter. „Wir gehen unseren Aufgaben nach, wir lachen und tauschen uns aus“, erzählt Sr. Dominika. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kämen zur Arbeit, als wäre alles normal. Oft wirkten sie sogar gelassener als sie selbst. „Sie sagen mir immer wieder: ‘Sister, you will get used to this.’ Aber werde ich das jemals? Und will ich mich wirklich an Krieg und Gewalt gewöhnen?“
Derzeit lebten sie, ihre Schützlinge und das gesamte Team im Krisenmodus, zwischen Hoffnung und Angst, zwischen dem Dröhnen der Explosionen und dem stillen Gebet um Schutz. „Vielleicht klingt das alles verrückt, doch im Moment scheint das Leben selbst verrückt zu spielen“, sagt die Ordensfrau. „Danke für alle Zeichen der Verbundenheit. Sie tun mir gut.“
[Quelle: E-Mail vom 5.3.2026, Ordensgemeinschaften]
Abt Nikodemus Schnabel: „Krieg ist wirklich dreckig“
Auch in Jerusalem selbst ist die Situation angespannt. Der Abt der deutschsprachigen Benediktinerabtei Dormitio, Nikodemus Schnabel, schilderte im Interview mit Radio Vatikan eindringlich seine Eindrücke aus der Stadt.
„Krieg ist wirklich dreckig!“, sagte der Benediktiner. Ihn störe besonders, dass Krieg oft „so weichgezeichnet“ werde. Dabei gerieten jene Menschen aus dem Blick, die nun mit ihrem Leben bezahlen müssten.
Schnabel kritisierte auch eine Art sensationsgetriebene Aufmerksamkeit für militärische Entwicklungen. „Das ist kein Fußballspiel, das ist kein Sportmatch, wo zwei Nationen gegeneinander antreten“, betonte er. Tatsächlich litten Menschen im gesamten Nahen Osten unter den Folgen der Gewalt.
Der Abt berichtete zudem von dramatischen Stunden unmittelbar nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs. Die Mönche der Dormitio-Abtei befanden sich gerade im Priorat Tabgha am See Genezareth, als Raketenalarm ausgelöst wurde. Rund 60 Menschen, darunter Mönche, Mitarbeiter, Volontäre und Pilger, suchten gemeinsam Schutz in einem Luftschutzbunker. „Man konnte die Abschüsse hören, und außerdem hat die Erde auch leicht gebebt“, schilderte Schnabel. Während der zwei Stunden im Bunker hätten die Menschen in verschiedenen Sprachen gebetet und gesungen, auch für die Menschen im Iran.
In Jerusalem lebt die Gemeinschaft derzeit als interreligiöse Gruppe aus christlichen und muslimischen Theologiestudierenden aus Deutschland zusammen. Trotz der angespannten Lage wolle Schnabel bleiben. Die Mönche hätten ihre Gebete inzwischen in die geschützte Krypta der Dormitio-Abtei verlegt. Während einer Eucharistiefeier seien sogar ballistische Raketen in der Nähe von Jerusalem eingeschlagen.
Der Krieg stelle auch die seelsorgerliche Arbeit vor neue Herausforderungen. „Krieg reißt einem die Maske runter“, sagte der Abt. Menschen stünden plötzlich mit ihren Ängsten und Sorgen da. Die Aufgabe der Mönche sei es nun vor allem, zuzuhören, Trost zu spenden und gemeinsam zu beten.
Zusätzlich erschwert wird die Situation durch eine polizeiliche Anordnung: Die Dormitio-Abtei musste schließen. Für Schnabel ist das besonders schmerzhaft, weil viele Pilger derzeit nicht aus dem Land ausreisen können. Die Abtei sei bislang wie „eine Arche, ein Schutzkasten in diesem Ozean von Leid“ gewesen. Nun bleibe den Mönchen vor allem eines: das Gebet.
[Quelle: kathpress]



