
Fastentuch 2026 in der Michaelerkirche: Ein Zeichen gegen Menschenhandel
Zhanina Marinova (*1994, Varna, Bulgarien) lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte Bildende Kunst, mit dem Schwerpunkt Graphik und Druckgraphik, an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seit 2018 ist sie Mitglied des Wiener Künstlerhauses. Ihr Werk ist durchdrungen von einer tiefen Auseinandersetzung mit sozialen Themen und gesellschaftlichen Missständen. Marinova selbst beschreibt ihr Kunstwerk folgendermaßen:
„Auch wenn wir es oft vergessen … Menschenhandel ist eine ‚Kreatur‘, die still um uns herum lebt und wächst. Die Opfer: Unsichtbare Menschen, versteckt vor den Augen der Gesellschaft. Hinter Gittern und Mauern versteckt, wird der Körper zur Währung. Die unendlichen schwarzen Linien symbolisieren den ständigen Strudel der Hoffnungslosigkeit, in dem diese Menschen versinken. Die ‚Gitterstäbe‘, die sie gefangen halten. Die Ketten, die sie fesseln – ihre Existenz. Die Schleier, die unsere Augen bedecken …“
Die schwarzen Linien ihres Fastentuchs stehen für den Strudel der Hoffnungslosigkeit, die Gitter und Ketten für Gefangenschaft und Entrechtung. Das Werk macht sichtbar, was häufig im Verborgenen geschieht. Es fordert dazu auf, nicht wegzusehen, sondern die Realität von Ausbeutung und Menschenhandel wahrzunehmen.
Engagement der Salvatorianer gegen Ausbeutung

Die Salvatorianer setzen sich seit vielen Jahren öffentlich gegen Ausbeutung und Menschenhandel ein. Salvatorianer-Provinzial P. Márton Gál SDS, Pfarrmoderator von St. Michael, betont, dass die Ordensgemeinschaft mit der Initiative „Ware Mensch“ sowie als Mitgründerin der „Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel“ bewusst ein Zeichen setzt und konkrete Schritte zur Sensibilisierung der Gesellschaft unternimmt.
Die Pfarrgemeinde St. Michael stellt ihre „Touristenkirche“ bewusst als Raum für Reflexion zur Verfügung. Kirche soll nicht nur Ort des Gebets sein, sondern auch Raum für gesellschaftliche Fragen und Herausforderungen.
Gál spricht von vielfältigen Formen der Entrechtung als „Wunden in der Gesellschaft“. Sie zeigen sich etwa in erniedrigender Kindererziehung oder im Versuch, den Willen von Menschen zu brechen. Auch innerhalb der Kirche gebe es Anlass zu selbstkritischer Reflexion – etwa im Blick auf die Rolle der Frau.
Die Botschaft Jesu bleibt dabei Richtschnur christlichen Handelns: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Dieses Wort ruft dazu auf, das Leid der Schwächsten nicht zu übersehen.
Menschenhandel in Österreich
Österreich fungiert aufgrund seiner Lage in Mitteleuropa als Transit- und Zielland für Menschenhandel. Die Opfer stammen häufig aus ärmeren EU-Staaten oder Drittstaaten. Jährlich werden bis zu 350 Betroffene von heimischen Opferschutzeinrichtungen und NGOs betreut.
Unter ihnen sind Kinder, Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft und Ethnien – vielfach betroffen von sexueller Ausbeutung. Menschenhandel ist keine ferne Realität, sondern betrifft auch unsere Gesellschaft unmittelbar.
Kunst als Aufruf zum Handeln
Mit dem Fastentuch verbinden die Salvatorianer Kunst und Glauben zu einem eindringlichen Appell: hinsehen, sensibel werden, Verantwortung übernehmen.
In der Michaelerkirche wird so ein Raum eröffnet, der nicht nur zum Gebet einlädt, sondern auch zum Nachdenken und Handeln – im Einsatz für die Würde jedes einzelnen Menschen.



